Storytelling im Coaching
Wie narrative Arbeit Probleme sichtbar macht, ohne Menschen auf sie zu reduzieren – und warum Veränderung mehr ist als positives Denken.

Warum Storytelling im Coaching nicht bedeutet, sich etwas schönzureden
Storytelling im Coaching klingt schnell nach einer einfachen Verheißung: Erzähl dir dein Leben anders, dann wird alles besser.
So verstehe ich es nicht.
Storytelling bedeutet nicht, schwierige Erfahrungen hübscher zu verpacken. Es bedeutet auch nicht, aus jeder Krise eine Heldengeschichte zu machen. Aber gutes Storytelling kann helfen, Erfahrungen zu ordnen: Was ist passiert? Was war der Konflikt? Welche Rolle habe ich übernommen? Wo gab es Wendepunkte? Was ist noch nicht erzählt?
Genau darin liegt seine Kraft.
Storytelling schafft Zusammenhang
Viele Menschen kommen ins Coaching, wenn einzelne Erlebnisse sich nicht mehr zu einem stimmigen Ganzen verbinden lassen. Etwas passt nicht mehr: die alte Rolle, der Beruf, eine Beziehung, ein Selbstbild, ein Lebensentwurf.
Storytelling hilft dann nicht, sofort eine neue Geschichte zu erfinden. Es hilft zuerst, die vorhandene Geschichte besser zu verstehen.
Welche Handlung läuft hier eigentlich?
Bin ich in dieser Geschichte diejenige, die immer funktionieren muss?
Bin ich die, die sich anpasst?
Die, die zu spät dran ist?
Die, die stark bleiben muss?
Oder gibt es noch andere Rollen, andere Szenen, andere Bedeutungen?
Eine gute Geschichte besteht nicht nur aus Ereignissen. Sie hat Struktur: Anfang, Konflikt, Wendepunkte, Wiederholungen, Brüche und mögliche Entwicklungen. Genau diese Struktur kann im Coaching sichtbar machen, wo etwas festgefahren ist – und wo Bewegung möglich wird.
Das Problem ist nicht die ganze Person
Hier berührt sich Storytelling mit narrativer Arbeit. Ein wichtiger Gedanke lautet: Der Mensch ist nicht das Problem. Das Problem ist das Problem.
Viele Menschen erzählen über sich selbst sehr verdichtete Sätze:
Ich bin zu empfindlich.
Ich bin nicht belastbar.
Ich bin kompliziert.
Ich kriege mein Leben nicht hin.